Wenn am Donnerstagmorgen der prestigeträchtige und traditionsreiche Heidenheimer Pokal startet, werden die Augen neben den unzähligen Weltklasse-Athleten vor allem auf Matthew Bülau liegen. Der Lokalmatador startet für den Heidenheimer Sportbund und ist als eines der deutschen Toptalente selbstredend der Stolz der renommierten Fechtregion.
Viel Zeit sich über Erwartungen an ihn Gedanken zu machen, hatte der 20-Jährige zuletzt aber nicht. Für seine Universität in Ohio nahm er noch in der Vorwoche an einem Turnier in Chicago teil. "Generell war das Turnier und ist das Training an der Uni eine Top-Vorbereitung auf Heidenheim und die weitere Weltcupsaison generell”, erklärt Bülau im Gespräch mit fechten.org. Lediglich der Universitäts-Abschluss, der im Mai ansteht, verursache gelegentlich etwas Stress im Kopf. “Die Prüfungen haben natürlich einen hohen Stellenwert.”
72. Auflage des Traditionsevents - mehr als 370 Teilnehmer
Nun zählt aber erstmal der Degen-Weltcup der Herren in seiner Heimat, der lange vor seiner Lebzeit in 1953 erstmals ausgetragen wurde und als eines der Höhepunkte der Heidenheimer Fechttage gilt. Die 72. Auflage findet - wie im Vorjahr - aufgrund von Renovierungsarbeiten am Donnerstag und Freitag in der Bibrishalle Herbrechtingen statt.
“Aktuell erwarten wir etwas mehr als 370 Teilnehmer aus 60 Nationen sowie 40 Teams”, berichtet der Ableitungsleiter Fechten beim Heidenheimer Sportbund, Michael Sünderhauf. Gemeinsam mit Matthias Henkelmann und Thomas Zimmermann übernahm das Trio in der Vorbereitung die Hauptorganisation - in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Heidenheim. Rund 150 ehrenamtliche Helfer*innen sorgen im Vorfeld und ab Wettkampfstart für einen reibungslosen Ablauf, der ohne eine Vielzahl treuer Sponsoren nicht möglich wäre.
Abteilungsleiter Sünderhauf stolz über familiäres Flair und Vorbereitungslehrgang
“Die wiederholte Ausrichtung wird von den internationalen Fechtern und Trainern sehr geschätzt. Besonders hervorgehoben werden das familiäre Flair sowie die zugleich professionelle Organisation der Veranstaltung”, erklärt Sünderhauf. Stolz sei er zudem über die erneute Möglichkeit eines internationalen Trainingslagers direkt vor dem Turnier. Mit den Nationen Japan, Kasachstan, Usbekistan, Israel, Ukraine, Australien, Finnland, Vereinigte Arabische Emirate, Philippinen, Mauritius, Estland, Türkei und natürlich der deutsche Nationalmannschaft sowie heimischen Fechtern wurde am Feinschliff gearbeitet.
Auch DFB-Präsident Benjamin Denzer freut sich auf den Heim-Weltcup: “Ein qualitativ und quantitativ hochwertiges Teilnehmerfeld verspricht spannende Fechtertage und ein Fechterlebnis auf höchstem internationalen Niveau. Alle Fechtfans sind herzlich eingeladen, um dieses besondere Flair live mitzuerleben und dabei unsere deutschen Fechter zu unterstützen, sagte der DFB-Präsident mit Blick auf den Heidenheimer Pokal und den Mannschaftsweltcup am Samstag.”
Bülau selbst flog am Sonntag nach Deutschland und freut sich ungemein auf das Heimevent, Familie, Freunde und zahlreiche bekannte Gesichter. "Das Turnier in Heidenheim bedeutet mir unheimlich viel. Ich darf zum zweiten Mal teilnehmen und verfolge das Event, seit ich sechs Jahre alt bin." Das Turnier irgendwann zu gewinnen, sei sein großer Traum.
Bülau will erneut zweiten Tag erreichen - Arbeit an Beinarbeit und Mentalität
“Vor heimischer Kulisse ist man natürlich aber auch nervös, weil man unbedingt zeigen möchte, was man drauf hat. Aber es ist eine riesen Ehre. Für mich ist es das Wimbledon des Fechtens.” Für die Auflage 2026 möchte Bülau ins Haupttableau einziehen. “Das Erreichen des zweiten Tages der besten 64 zu festigen, nachdem ich das in Doha geschafft habe, ist mein Ziel. Langfristig möchte ich, dass die Teilnahme am zweiten Tag eine Selbstverständlichkeit wird.”
Um diese Ziele zu erarbeiten, arbeitet das Top-Talent beständig an seiner Beinarbeit sowie “kleineren und größeren” technischen Dingen. “Ich möchte auch mental besser werden, um mit dem Druck bei größeren Turnieren wie hier in Heidenheim umzugehen”, so Bülau. Vereint er diese Elemente, kann das Event nicht nur für die Veranstalter sondern auch für den Lokalmatadoren selbst ein großer Erfolg werden.
Fotoverweis: Augusto Bizzi