Schießen, Kugelstoßen, Laufen, Schwimmen und Fechten – fünf ganz unterschiedliche Herausforderungen, ein gemeinsamer Wettkampftag und vor allem eine Sportfamilie, die spürbar zusammenhält. Fortlaufend im vierten Jahr in Folge ein Melderekord: 105 Meldungen lagen für die Meisterschaft vor.
Dass diese Meisterschaft in Singen stattfinden konnte, war vor allem dem großen Engagement vor Ort zu verdanken. Tanja Andersen und Daniela Schreuer von der Fechtabteilung des Stadt-Turnverein Singen hatten die Ausrichtung übernommen – und dabei nicht nur organisiert, sondern verschiedene Abteilungen und Partner zu einem starken Veranstaltungsteam zusammengeführt. Bereits um 6.00 Uhr morgens empfingen die Schützen der Schützengesellschaft 1904 e.V. Singen die Fünfkämpferinnen an ihrem Schießstand. Danach übernahm die Leichtathletikabteilung des STV Singen mit Kugelstoßen und Laufdisziplinen, die Schwimmabteilung stemmte den Schwimmwettbewerb, und die Turner unterstützten die Fechterinnen beim Auf- und Abbau der Bahnen.
Auch organisatorisch war Flexibilität gefragt. Bei 37 Grad wurde der Wettkampf kurzfristig um zwei Stunden vorverlegt. So konnte die Leichtathletik bereits vor 10.00 Uhr abgeschlossen werden – eine Entscheidung, die den Sportler*innen entgegenkam und den weiteren Tagesablauf deutlich entlastete. Für Tanja Andersen, Abteilungsleiterin Fechten in Singen, war die Meisterschaft dennoch eine besondere Geduldsprobe: Anderthalb Wochen vor dem Wettkampf hatte sie einen Bandscheibenvorfall erlitten. Statt selbst anzutreten und mit anzupacken, musste sie von außen koordinieren, anleiten und organisieren.
„So ein Tag funktioniert nur, wenn viele Akteure gemeinsam anpacken“, sagte Tanja Andersen. „Ich bin unglaublich dankbar, wie selbstverständlich hier alle geholfen haben – gerade bei dieser Hitze. Die Schützen, die Leichtathletik, die Schwimmabteilung, die Turner und unsere Fechtabteilung: Das war eine echte Gemeinschaftsleistung.“
Sportlich bot die Meisterschaft genau das, was den Klassischen Fünfkampf so besonders macht: Er verlangt Vielseitigkeit, aber nicht Perfektion in nur einer Disziplin. Wer vorne landen will, muss ruhig schießen, explosiv stoßen, schnell laufen, effizient schwimmen und auf der Fechtbahn taktisch klug agieren. Gleichzeitig ist der Wettbewerb offen genug, um Teilnehmende aus vielen Alters- und Leistungsbereichen zusammenzubringen – von der U13 bis zu den Veteranen 80+. Genau darin liegt seine besondere Stärke.
DFB-Vizepräsident Philipp Gorray, der sich seit Jahren für den Wettbewerb engagiert und die Fünfkampffamilie zusammenhält, zeigte sich entsprechend erfreut: 31 Vereine waren in diesem Jahr vertreten – Tendenz steigend. „Wir haben die Öffnung geschafft für die Vereine“, so Gorray. Diese Entwicklung ist auch auf der Fläche spürbar: Seit der Klassische Fünfkampf im DFB beheimatet ist, wächst die Beliebtheit. Für viele ist er ein willkommener Perspektivwechsel nach der Leistungssportsaison. Ein Teilnehmer, der erstmals dabei war, brachte es auf den Punkt: „Nach der Leistungssportsaison ist das ein schöner Ausgleich.“
Vor der Fechtdisziplin begrüßte Swen Strittmatter, Präsident des Fechterbundes Baden-Süd, die Teilnehmenden persönlich. Dabei erinnerte er daran, wie gerne er früher selbst am Klassischen Fünfkampf teilgenommen hat. Diese persönliche Verbindung passte zum Geist des Tages: Natürlich ging es um Punkte, Zeiten, Treffer und Platzierungen. Aber ebenso ging es darum, die eigene Leistung zu messen, sich gegenseitig anzufeuern und die Fünfkampffamilie wiederzutreffen. Liebevoll wurde darauf geachtet, dass alle ins Ziel kamen – unabhängig von Alter, Ambition oder Tagesform.
Auch bekannte Namen aus den Landesverbänden mischten sich unter die Aktiven. Stephan Brüning, Präsident des niedersächsischen Fechterverbandes, trat ebenso an wie Ben Straub, Sohn des Präsidenten des saarländischen Fechterbundes. Daniela Schreuer belohnte sich als Mitorganisatorin zudem sportlich: In der Altersklasse Damen Veterans 40+ gewann sie für die FA Singen mit 47,82 Punkten.
Die höchste Gesamtpunktzahl des Tages erzielte Vera Oettinger vom Verband für Modernen Fünfkampf Baden-Württemberg. Mit 62,73 Punkten setzte sie sich in den Damen Seniors deutlich an die Spitze und unterstrich damit, wie stark Vielseitigkeit im Klassischen Fünfkampf belohnt wird.
Auch die Einzeldisziplinen hatten ihre eigenen Geschichten. Am Schießstand gelang Heike Heck vom SV Vorwärts Nordhorn mit 15,52 Punkten und 97 Ringen die stärkste Leistung des Tages. Im Kugelstoßen setzte Vera Oettinger mit 10,87 Punkten und 9,06 Metern die Bestmarke. Beim Laufen wurde zwischen Sprint und Mittelstrecke unterschieden: Im Sprint, der je nach Altersklasse über 50, 75 oder 100 Meter führte, war Constantin Banowitz vom Fechterring Hochwald mit 10,48 Punkten über 100 Meter in 12,80 Sekunden der Top-Scorer; auf der Mittelstrecke über 1000 Meter erzielte Robin Schmidt von TK Hannover mit 11,42 Punkten und einer Zeit von 3:01,3 Minuten den höchsten Wert.
Im Schwimmen lag Vera Oettinger mit 12,27 Punkten über 100 Meter Freistil in 1:09,5 Minuten vorne. Auf der Fechtbahn setzten sich mehrere Athlet*innen ohne Niederlage durch und gewannen ihre jeweiligen Runden komplett: Vera Oettinger, Kathrin Richter vom Fechterring Hochwald, Susanne Zimmermann vom Neusser SV, Erik Schmid vom FC Tauberbischofsheim sowie Marco Birkenmaier vom VFB Friedrichshafen/SC Legnano.
Nach diesem gelungenen Wettkampftag richtet sich der Blick bereits nach vorne: Die nächste Deutsche Meisterschaft im Klassischen Fünfkampf wird 2027 in Duisburg ausgetragen – und dürfte den eingeschlagenen Weg mit wachsender Beteiligung und großer Begeisterung weiter fortsetzen.