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Sonstiges

Nachruf: Tim Gerresheim

Das Leben endet, die Erinnerung nicht.

Der Fecht-Club Rothenbaum trauert um seinen Fechtmeister und Gründungsmitglied 

Tim Gerresheim

Über 75 Jahre hat Tim Gerresheim die Geschichte des deutschen Fechtsports mitgeschrieben. Unter den wachsamen Augen seiner Eltern Otto und Marie-Therese Gerresheim, beide Diplom-Fechtmeister und Gründer des Fecht-Club Rothenbaum (FCR), erlernte Tim Gerresheim schon früh das Fechten.

1959 gewann Tim Gerresheim im Alter von 20 Jahren erstmals die deutsche Meisterschaft im Florett und im gleichen Jahr belegte er den zweiten Platz bei der Juniorenweltmeisterschaft. In der Erwachsenenklasse unterlag er mit der deutschen Mannschaft bei den Fechtweltmeisterschaften 1959 in Budapest erst im Finale gegen die sowjetische Equipe. Im Jahr darauf bei den Olympischen Spielen in Rom holte er mit der Florettnationalmannschaft die Bronzemedaille. In einem entscheidenden Vorkampf der Mannschaft gegen Frankreich gab es im Stichkampf den 5:0 Sieg von Tim Gerresheim gegen Oriola, den großen Spitzenfechter der Franzosen und Weltmeister. Das Gefecht dauerte nur 45 Sekunden. Dafür erhielt Tim Gerresheim 1960 das „silberne Lorbeerblatt“.

Weitere Nationale und Internationale Titel kamen in den Folgejahren hinzu.

Tim Gerresheim hat an drei Olympischen Spielen teilgenommen. 1960 in Rom, 1964 in Tokio (6.Platz im Einzel-Florett) und 1968 in Mexiko.

Tim Gerresheim war als Einzelfechter und zusammen mit der Nationalmannschaft derjenige Florettfechter, der mit seinen internationalen Einzel-Erfolgen das Deutsche Fechten zurück in die internationale Anerkennung geführt hat. Dieses wurde auch sichtbar durch seinen ausgeprägt eleganten Fechtstil, der allgemein bewundert wurde.

Zusammengefasst muss man sagen: Tim Gerresheim war und ist bis heute der beste und erfolgreichste Fechter Hamburgs und Vorbild für viele folgende Generationen von Fechtsportbegeisterten.

Als Diplom-Sportlehrer und Fechtmeister gründete Tim Gerresheim nach seiner aktiven Zeit als Spitzensportler zusammen mit seiner Frau Ulli seine eigene Sportschule im Hamburger Stadtteil Rothenbaum. In kleinen Gruppen hielten beide dort Freundeskreise und Management-Gruppen geistig und körperlich fit. Später erfolgte der Umzug in den Stadtteil Barmbek. Zudem blieb Tim Gerresheim seinem Fecht-Club Rothenbaum als Trainer und Vorstand treu und bildete daneben an mehreren Hamburger Schauspielschulen auch noch junge Darsteller in szenischem Fechten aus.

2019 wurde Tim Gerresheim vom Hamburger Fechtverband die Plakette für „besondere Verdienste um den Fechtsport in Hamburg“ verliehen. 

Trotz seiner Verdienste um den Deutschen- und den Hamburger Fechtsport blieb Tim immer sehr bescheiden. Was bleibt ist die Erinnerung an Tim Gerresheims engagiertes, hilfsbereites, fröhliches und umgängliches Wesen im und außerhalb des Fechtsaals. Generationen von Schüler/innen, die unter seinen wachsamen Augen den Fechtsport erlernt haben, werden sich gerne daran erinnern.

Seinen größten Kampf jenseits des Fechtsaals kämpfte Tim Gerresheim in den letzten 30 Jahren mit einer bösartigen und nicht heilbaren Krankheit. Das tat er, ohne jemals aufzugeben und immer mit einer positiven Einstellung.  Dabei wurde er aufopfernd und unermüdlich begleitet und unterstützt von seiner geliebten Frau und der Familie.

Erst mit 80 (!) Jahren legte Tim Gerresheim- zum Bedauern der Mitglieder des FCR - sein Amt als Trainer aus Altersgründen nieder.

Jetzt ist Tim im Alter von 87 Jahren im Kreise seiner Familie für immer eingeschlafen.

Hamburgs Fechter/innen werden Tim Gerresheim, der den Fechtsport durch sein langes Engagement nachhaltig geprägt hat, ein ehrendes Andenken bewahren.

 

Text und Foto: Christian Lafrentz / Fecht-Club Rothenbaum Hamburg