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Foto: Luca Pagliaricci
Foto: Luca Pagliaricci
DFB-Team

Vor EM-Start: "Nationalteams "sehr gut" vorbereitet

Ab dem morgigen Dienstag starten 27 DFB-Athlet*innen bei den Fecht-Europameisterschaften in Antony im Norden der französischen Hauptstadt Paris. fechten.org hat vorab mit Trainern, Starter*innen aus allen drei Waffen über die Vorbereitung und Ziele zum ersten Großereignis der Saison gesprochen.

Die kontinentalen Meisterschaften starten am Dienstag mit den Einzel-Wettbewerben im Herren-Degen und Damen-Säbel. Anders als im Weltcup und bei den Grand Prixs gibt es keine für das Haupttableau gesetzten Athlet*innen. Alle Einzel-Starter*innen müssen sich über die Vorrunde qualifizieren und eine gute Ausgangslage verschaffen. Die Team-Events beginnen später in der Woche. 

Der Deutsche Fechter-Bund ist mit 27 Fechter*innen vertreten und kann nahezu aus dem Vollen schöpfen. Sportlich schmerzlich vermisst, wird lediglich Anne Kleibrink. Die Olympia-Viertelfinalistin von Paris 2024 fehlt aber aus einem persönlich schönen Grund. Sie erwartet ihr erstes Kind und pausiert. Bundestrainer Peter Joppich darf dagegen auf Rückkehrerin Leonie Ebert setzen. 

Betreuen werden in Paris insgesamt sieben Bundestrainer (Einschätzungen lesen Sie weiter unten). Unterstützt wird das Team zudem von den Physiotherapeuten Martin Kuzniarek und Melanie Marzini. Delegationsleiter sind Christoph Kneip und als Stellvertreter erstmals Niklas Uftring. Die sportliche Leitung vor Ort hat DFB-Sportdirektor Tobias Kirch, der vor ab erklärte: “Unsere Nationalmannschaften haben sich bei internationalen Lehrgängen anderer Nationen und an den Bundesstützpunkten sehr gut auf die EM vorbereitet.” Alle Nominierten seien Stand Montag (15. Juni) fit und gesund.

Kirch: “Haben gute Möglichkeiten”

Die Zielsetzung kommentierte Kirch wie folgt: “Wir haben gute Möglichkeiten, mit dem ein oder anderen Edelmetall zurückzukehren nach Deutschland. Das wird aber kein Selbstläufer. Das europäische Niveau ist - auch in der Breite - sehr stark.”

 Alle Infos mit Aussagen der Athlet*innen und Trainer finden Sie übersichtlich nach Waffen sortiert:

Säbel - Herren

Den Auftakt am Dienstag machen unter anderem die Säbel-Herren, die in Antony traditionell von Bundestrainer Vilmos Szabo betreut werden. Mit seinem Sohn, dem Olympia-Viertelfinalisten von Paris 2024 Matyas Szabo, EM-Bronzemedaillist Frederic Kindler, Leon Schlaffer und Philipp Methner hat der Bundestrainer ein starkes Quartett des TSV Bayer Dormagen am Start, das auch im Team für ein gutes Ergebnis sorgen will.

Im Einzel sind die Augen besonders auf Szabo, dessen Formkurve nach längeren Rückenproblemen zuletzt deutlich nach oben zeigte sowie Kindler gerichtet. Kindler erklärte im Gespräch über das Team und die Vorbereitung in Dormagen: "Wir haben die vergangenen zwei Wochen das getan, was uns die ganze Saison stark macht. Wir haben auf intensive, gute Trainingseinheiten gesetzt, viel gefochten und fokussiert lektioniert.

Kindler: “Bin nervenstark”

Er persönlich zog Selbstvertrauen aus seinen guten Leistungen und betonte vor allem den mentalen Aspekt. “Ich habe gezeigt, dass ich nervenstark bin, nicht mehr die Fassung verliere.” Das möchte der Weltranglisten-achte auch in Antony zeigen. Das Team ist aus Dormagen geschlossen mit einem Mietbus angereist.

Säbel - Damen

Die alte und neue Deutsche Meisterin Larissa Eifler, Felice Herbon (beide TSV Bayer Dormagen), Julika Funke und Lena Stemper (beide FC Würth Künzelsau) vertreten den DFB im Einzel (Mittwoch) und Team in Antony. Betreut wird das Quartett von Bundestrainer Marius Galatanu.

Eifler sagte nach ihrem nationalen Titel: "Ich habe alle Gefechte recht souverän gewonnen und bin gerade echt gut in Form. Bei der EM möchte ich an meine letzten internationalen Leistungen anknüpfen.” Eifler und ihre Kolleginnen flogen nach der DM zum gemeinsamen EM-Vorbereitungslehrgang nach Budapest. Dort holte sich das Quartett den letzten Feinschliff.

Degen - Damen

Die Vorbereitung hatte das Team um Alexandra Ehler, Gala Hess-Sancho, Fiona Müller (alle Bayer Leverkusen), Alexandra Zittel (Heidenheimer FC) und Lara Goldmann (Bayer Leverkusen Team) mit Bundestrainer Dirk Schiffler mit einem in Bonn vergangene Woche durchgeführten Lehrgang mit internationaler Beteiligung abgeschlossen. Die Anreise erfolgt gemeinsam am Dienstag von Bonn aus, bevor es am Donnerstag im Einzel ernst wird.

“Dort  können häufig schon schwierige Rundensetzungen auftreten. Man sollte gut in den Wettkampf kommen, um sich Vorteile für die K.o-Runde zu erarbeiten. Es wäre schön, wenn alle möglichst ihre persönliche Bestleistung erreichen”, sagte Schiffler, der froh ist, dass Alexandra Ehler nach einer Sprunggelenks-OP am Anfang der Saison schnell wieder Anschluss gefunden hat. “Sie konnte sich im Laufe der Saison immer besser in Szene setzen und der Weltrangliste weiter nach vorne arbeiten.”

Ehler: “Das gibt Selbstvertrauen”

Ehler selbst sagte: “Ich fühle mich nach intensiven fechterischen und athletischen Einheiten in den vergangenen Wochen gut vorbereitet auf die EM. Ich bin auf einem guten Weg und zufrieden mir meiner Konstanz. Ich schaffe es immer öfter, meine Trainingsschwerpunkte in den Wettkampf zu übertragen. Das gibt zehn Monate nach meiner Operation Selbstvertrauen.” 

Nach dem EM-Viertelfinale im Vorjahr sei ihr Ziel, ihr Potential abzurufen und eine Medaille zu erkämpfen. “Das ist auf jeden all auch drin.” Die Stimmung im Team sei laut Ehler “richtig" gut. "Alle haben in der letzten Zeit alles gegeben. Wir freuen uns, dass es losgeht. Der Bundestrainer erinnerte derweil daran, dass das Quartett bei den vergangenen Wettkämpfen Ausrufezeichen setzen und den amtierenden Europameister Ukraine sowie die Bronzemedaillengewinner der letzten EM, Italien, schlagen konnte. 

Herren-Degen

Das Team um Matthew Bülau (Heidenheimer FC), Jakob Stange (FZ Solingen), Marco Brinkmann und Lukas Bellmann (beide Bayer Leverkusen) startet am Donnerstag in den Einzel-Wettkampf und wird dort von Alessandro Bartoli betreut. Der Italiener sagte vor der Abreise: "Ich bin zufrieden damit, was wir jetzt in der Vorbereitung geleistet haben. 

Bartoli will zwar ebenfalls bei der EM performen, verfolgt aber einen längerfristigen Plan. “Jedes Großereignis gibt den Athleten mehr Erfahrung. Wir wollen konstanter werden. Die EM wird uns viele Informationen liefern für die nächste Saison.”

Florett - Damen

Carlotta Morandi (FC Tauberbischofsheim), Leonie Ebert, Marie Höfler (TSG Weinheim), Kim Kirschen (SC Berlin, (Einzel) und Anna Kothieringer (KTF München, Team) starten bereits am Dienstag in die EM. Gemeinsam mit Bundestrainer Peter Joppich befand sich das Team bis vergangenen Dienstag in Budapest beim internationalen Trainingslehrgang mit mehreren Nationen.

“Dort haben wir überwiegend gefochten, mittags gab es Lektionen und individuelle Schwerpunkte”, erklärte Joppich. Seit vergangenen Mittwoch habe jede Athletin individuell trainiert in den Heimatvereinen." 

Joppich froh über Rückkehrerin Ebert

Froh ist Joppich über die Rückkehr nach Kreuzbandriss von Leonie Ebert. “Sie ist natürlich eine absolute Verstärkung für das Team und sehr gut in die Saison eingestiegen mit einer Top-Acht-Platzierung beim Grand Prix in Lima.” Auf der anderen Seite sei der sportliche Verlust Anne Kleibrinks “groß. Für sie sei das aber natürlich ein sehr schöner Grund. Trainer und Team hoffen bereits auf eine Rückkehr 2027 - dann als Mutter.

Carlotta Morandi zeigte sich derweil erfreut über den internationalen Lehrgang in Budapest. “Anschließend konnte ich mich nochmals spezifischer in Tauberbischofsheim vorbereiten.” Zusätzlich habe sie immer noch “so viel positive Energie” von ihrem nationalen Meistertitel vor zwei Wochen in der Heimat in Berlin vor Freunden und Familie. “Ich möchte die EM als Saisonhöhepunkt auch zu meinem persönlichen Höhepunkt machen und mein Vorjahresergebnis (letzte 32) toppen.”

Florett-Herren

Alexander Kahl (TG Hanau), Bastian Kappus (FC Tauberbischofsheim), Niklas Diestelkamp (KFT München) und Luis Klein (FC Tauberbischofsheim) waren mit Bundestrainer Benjamin Kleibrink für fünf Tage ebenfalls in Budapest zum Trainingslager mit “den Nationalteams aus Ungarn, Spaniern, Polen und einigen weiteren”, wie Kleibrink berichtete. “Wir hatten dort viele unterschiedliche Gegner mit unterschiedlichen Stilen und konnten daraus lernen und entsprechende Rückschlüsse ziehen.”

Für Kleibrink komme es bei der EM vor allem auf die “mentale Stärke” jedes Einzelnen an. "Wir haben mit Niklas Diestelkamp zudem einen EM-Neuling im Team, der sich die Nominierung mit seiner guten Entwicklung verdient hat. Das Einzel im Herren-Florett findet am Donnerstag statt.