Leonie Ebert weilte bereits am Gate, als sich die Europameisterin von 2022 am Telefon kurz Zeit nahm, um über den anstehenden Saisonstart zu sprechen. Ein bisschen, so wirkte es, tat das die Florett-Fechterin zumindest in puncto Motivation im Namen vieler DFB-Athlet*innen waffenübergreifend. “Dass Larissa Eifler zum Ende der vergangenen Saison Weltmeisterin geworden ist, ist für mich eine Riesen-Motivation und es war irgendwie auch für mich wichtig zu sehen, dass man nicht nur aus einer Position der Top 16 heraus Medaillen und Siege feiern kann”, beschrieb Ebert das vorherrschende Gefühl vor dem ersten großen Wettkampf.
Es sei ihr durch die Goldmedaille viel bewusster geworden, dass deutsche Athlet*innen mit dauerhaft harter Arbeit an einem guten Tag alles erreichen könnten, so Ebert. “Wir sehen das als Team jedenfalls als großen Ansporn und der Titel bringt nochmal einen Extra-Schwung in die Mannschaft”, sagte Ebert.
Dann stieg die 27-Jährige in den Flieger nach Japan. Dort finden ab Donnerstag in Takamatsu die ersten Florett-Weltcups der Damen und Herren der Saison 2026/27 statt. Parallel sind im marokkanischen Casablanca die deutschen Degen-Fechter*innen bei den Weltcups der Herren und Damen gefordert. Die Säbel-Fechter*innen um Eifler messen sich derweil beim ersten Weltcup im algerischen Oran. Insgesamt gehen an allen drei Standorten 58 deutsche Nationalfechter*innen an den Start.
“Wir freuen uns, dass die neue Saison endlich und gleichzeitig in allen drei Waffen in den kommenden Tagen startet. Aufgrund der stetigen harten und konstanten Arbeit der Athlet*innen und Bundestrainer*innen an den Bundesstützpunkten trauen wir unseren Startern gute Ergebnisse kurzfristig sowie eine weitere, kontinuierliche Entwicklung zu”, sagte DFB-Sportdirektor Tobias Kirch vor den Wettkämpfen.
Damen, Florett:
In Takamatsu, eine Großstadt der japanischen Präfektur Kagawa an der japanischen Seto-Inlandsee im Norden der Insel Shikoku, messen sich ab Donnerstag die besten Florett-Fechter*innen der Welt. In Abwesenheit der schwangeren Anne Kleibrink ist Leonie Ebert das Aushängeschild des Damenteams. Die 27-Jährige hat sich nach ihrem Kreuzbandriss in der vergangenen Comeback-Saison immerhin wieder auf Rang 36 der Weltrangliste vorgekämpft.
An Japan habe sie ob der Teilnahme an den Olympischen Spielen 2021 in Tokio nur gute Erinnerungen. “Generell mag ich das Lebensgefühl in Japan und verbinde nur gute Momente mit dem Land. Sich hier wohlzufühlen, ist der erste Schritt, um sich auf den Wettkampf zu fokussieren”, sagte Ebert, die eine “gute” Saisonvorbereitung hinter sich hat. “Wir hatten einen Vorbereitungslehrgang in Tauberbischofsheim und sind früh gestartet, haben viel gearbeitet und bereits einen Wettkampf in Frankreich absolviert. Wir sind auf jeden Fall bereit und freuen uns auf den ersten Weltcup.”
Eberts großes Saisonziel ist, wie bei allen deutschen Athlet*innen, der erfolgreiche Start mit dem Team in die Olympia-Qualifikation. Diese startet im April 2027. “Die Wettkämpfe vorher wollen wir nutzen, um uns in eine bessere Position zu bringen in der Weltrangliste. Dann wollen wir angreifen.” Nun liege der Fokus aber auf einem erfolgreichen Saisonstart. Teilnehmerinnen: Carlotta Sophie Morandi, Marie Höfler, Leonie Ebert, Kim Kirschen, Pia Ueltgesforth, Aliya Dhuique-Hein, Aline Rustler.
Herren, Florett:
Beim Satelitten-Weltcup in Samorin vor drei Wochen hatte Luis Klein mit Rang drei bereits für ein positives Gefühl während der Saison-Vorbereitung gesorgt. Niklas Diestelkamp (10.) und Alexander Kahl (12.) sorgten für weitere gute DFB-Ergebnisse. Dementsprechend positiv wertete Kahl die gesamte Saison-Vorbereitung.
“Die Vorbereitung lief sehr gut. Ich bin sehr gut in Form, das Gesamtgefühl ist wirklich sehr gut und daher freue ich mich extrem auf den ersten Weltcup”, berichtete der Weltranglisten-55. Am intensivsten habe der 33-Jährige in der Saisonvorbereitung nach der Pause an seiner Ausdauer gearbeitet. “Kurzfristig wollen wir mit dem Team bei Weltcups mindestens immer das Viertelfinale erreichen.” Langfristig liege der Schwerpunkt auf die Olympia-Qualifikation 2028. Teilnehmer: Luis Klein, Alexander Kahl, Niklas Diestelkamp, Bastian Kappus, Simon Polotzek, Julius Höfler, Sebastiano Gröteke.
Damen, Degen
In Casablanca (Marokko) bereiten sich die deutschen Degen-Fechter*innen auf den ersten Weltcup ab Donnerstag vor. Gala Hess Sancho erklärte vorab, sie habe in der Vorbereitung neben der Basis aus Athletik und Fechten an ihrer mentalen Balance auf der Planche gearbeitet. “Ich bin sehr emotional und habe in der Vorbereitung darauf geachtet, nicht mehr so viele Gefühlsausbrüche zu haben und mich gut zu regulieren”, sagte die 28-Jährige, die sich in der Vorsaison von Rang 89 auf 43 in der Weltrangliste verbesserte.
Beim EFC-Event in Colmar erreichte sie Rang zehn. Lara Goldmann bestätigte dort ihre gute Form. Nach Silber beim Satelliten-Weltcup in Gent vor drei Wochen erreichte die Degen-Fechterin bei mehr als 200 Teilnehmerinnen das Viertelfinale und landete auf Rang sieben. Fiona Müller (Rang zwölf) sorgte für ein weiteres Top-16-Resultat. Nun steht der erste Weltcup an.
“Ich bin voller Vorfreude auf den ersten Wettkampf und gespannt, wie viel ich von meinem fechterischen Können abrufen kann in Marokko. Kurzfristig möchte ich an meine WM-Leistung anknüpfen”, sagte die Nationalfechterin, die bei der WM einen sehr guten elften Rang erreichte. “Davon abgesehen möchte ich meine Leistung unabhängiger vom Ergebnis machen, gut fechten, mich gut fühlen.” Langfristig wolle sie neben der EM- und WM-Qualifikation eine Konstanz für den zweiten Wettkampftag entwickeln und immer bessere Ergebnisse abrufen. Teilnehmerinnen: Alexandra Ehler, Fiona Müller, Gala Hess Sancho, Lara Goldmann, Alexandra Zittel, Cagla Aytekin, Eva Steffens, Charlotte Marx, Lina Zerrweck, Anna Jonas, Katharina Kozielski, Lisa-Marie Löhr.
Herren, Degen
Der erst 18-jährige Levi Deng, der sich bei mehr als 360 Teilnehmern in Collmar ins Finale kämpfte und dort vor knapp zwei Wochen Silber gewann, ist beim Weltcupstart noch nicht dabei. Der erfahrene Marco Brinkmann, der Rang sechs in Frankreich erzielte, führt das Aufgebot mit Lukas Bellmann an. Mit dabei ist mit Ole Petersen aber ein weiteres DFB-Talent.
Im Gespräch verriet Petersen, dass er sich in der Vorbereitung vor allem athletisch verbessern wollte und das auch getan hat. “Besonders geholfen hat mir die individuelle Betreuung am Olympiastützpunkt Sachsen durch unseren Athletikcoach”, sagte der 19-Jährige, der in der Weltrangliste auf 323 geführt wird und den nächsten Schritt machen möchte.
"Nach der guten Vorbereitung möchte ich mit einem guten Gefühl kurzfristig in die Saison starten. Es ist immer noch ein Privileg, international bei den Senioren fechten zu dürfen". Kurzfristig liege sein Fokus auf der U20-Saison mit den Höhepunkten der EM und WM. Teilnehmer: Lukas Bellmann, Marco Brinkmann, Hendrik Kreysch, Michael Trebis Davis Dergay, Mika Ehringhaus, Julius Ruppenthal, Julian Kulozik, Jakob Stange, Ole Petersen, Bendix Kelpe.
Herren, Säbel
Athletensprecher Leon Schlaffer präsentierte sich im Gespräch vor dem Weltcup-Auftakt im algerischen Oran (Küstenstadt im Westen des Landes) gewohnt selbstkritisch. “Ich habe in der Saisonvorbereitung vor allem an den taktischen Fehlern der letzten Saison gearbeitet und diese abgestellt.” Zudem ist die Nummer 70 der Weltrangliste schon früher (Ende August) in die Vorbereitung gestartet.
Das Gefühl vor dem ersten Weltcup sei gut. “Da wir als Team gute Trainingseinheiten hatten und ein Vorbereitungsturnier gefochten haben um mit einem guten Gefühl in den ersten Wettkampf einzusteigen.”
Schlaffer wolle kurzfristig mit dem Team gute Platzierungen (Top acht oder höher) erreichen, um eine gute Ausgangslage für den Olympia-Qualifikation mit Start im April zu haben. “Dort ist dann das langfristige Ziel; eine Medaille bei EM und WM im Team zu holen um uns in der Qualifikation wichtige Punkte zu sichern.” Teilnehmer: Frederic Kindler, Leon Schlaffer, Eric Simon Seefeld, Leonard Weber, Jarl Kürbis, Moritz Schenkel, Simon Thome', Philipp Methner.
Damen, Säbel
Larissa Eifler war ob ihrer tollen WM-Leistung in aller Munde und hatte in der Offseason versucht, den Titel ein bisschen zu genießen. Das war neben der ganzen Aufmerksamkeit und den Medienverpflichtungen aber gar nicht so leicht. Für Eifler dennoch ein Privileg. Zum Wochenstart wurde zudem bekannt, dass die 27-Jährige für den renommierten felix award des Landes Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit dem Landessportbund NRW in der Kategorie "Sportlerin des Jahres" nominiert worden ist. Sie können jetzt HIER für Larissa Eifler abstimmen.
Die Weltmeisterin für das Dutzend an Athletinnen an, das in der Vorbereitung intensiv gearbeitet hat und jetzt Leistung zeigen will. Teilnehmerinnen: Larissa Eifler, Felice Herbon, Victoria Graudins, Lena Stemper, Anastasija Hirschfeld, Marisa Victoria Kurzawa, Julika Funke, Tiziana Nitschmann, Josephine Kober, Catalin Graudins, Ruoshui Su, Mirja-Lena Haack.