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Foto: Johanna Ivo
Foto: Johanna Ivo
Deutschlandpokal

Hitzige Finalkämpfe beim Deutschlandpokalfinale in Delmenhorst

Deutschlands größtes Breitensport-Teamevent endet in Delmenhorst mit spannenden Finalkämpfen, beeindruckenden Zahlen und bester Stimmung trotz sommerlicher Hitze.

Die Fechter*innen des Deutschlandpokalfinals in Delmenhorst hatten Glück: In der Nacht zog noch einmal ein kräftiger Regenschauer über die Region und kühlte zumindest die Morgenluft etwas ab. Der SV Grün-Weiß Delmenhorst begrüßte den Deutschen Fechter-Bund zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres in der neuen Dreifachsporthalle.

Lara Dreyer, Vorsitzende und Julia von Poblotzki, Stellvertreterin bei Grün-Weiß, standen am Morgen freudestrahlend in der Halle – selbst bereits in Fechtsachen. Ihre Idee, die Finalkämpfe von Deutschlands größtem Breitensport-Fechtevent nach Delmenhorst zu holen, hatte die kleine Fechtabteilung südlich von Bremen viel Kraft gekostet. Nun aber stand alles: die Bahnen, das engagierte Team, die Organisation – und die Vorfreude auf ein besonderes Wochenende.

Als das Vorstandsteam vor einem Jahr die Bewerbung einreichte, waren sie noch ganz im Feuer der dfj-allstars-Sommertour: Fechtstar Anne Kleibrink hatte damals mit Kindern von Grün-Weiß und aus der Region ein zweitägiges Fechtcamp durchgeführt. Was Lara und Julia zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen konnten: Beim Finale sollte sich schon wieder ein Star in die Halle schleichen. Max Hartung hatte sich mit der TFG Köln-Nippes im Herrensäbel qualifiziert und stand nun bei seinem ersten Breitensportturnier nach seiner aktiven Fechtkarriere ganz ruhig und bescheiden in der Halle. Als Fan brachte er außerdem Benedikt Peter Wagner mit.

Genau hier zeigte sich die ganze Breite des Deutschlandpokals: Im Herrenflorett stand beispielsweise ein sehr junges Team des Dresdner Fechtclubs auf der Planche. Gleichzeitig traf man auf Fechtspezialisten, die noch wenige Tage zuvor bei den European Veteran Championships in Cognac angetreten waren – darunter Hans-Martin Raeker oder Stephan Bair. Letzterer gewann mit dem PSV Stuttgart und seinen Teamkollegen schließlich auch das Finale gegen den FC Rothenbaum mit 45:35.

Große Freude also bei den Stuttgartern, denn die Florettdamen hatten bereits vorgelegt und ihr Finale gegen das Fechtcentrum Halle mit 45:37 gewonnen. Im Herrendegen gab es dann eine kleine Überraschung: Der FC Tauberbischofsheim nahm erstmals am Deutschlandpokal teil. Früher durften Vereine, die dem Leistungssport zugerechnet wurden, gar nicht starten – heute sind lediglich Kaderfechter*innen ausgeschlossen. Für den FC TBB verlief allerdings schon der erste Kampf nicht erfolgreich. Im Finale standen sich später der FC Grundwald und der TSV Bayer Leverkusen gegenüber. Achim Bellmann hielt sich als Ersatzmann im Finale zurück und coachte seine Jungs zum 45:40-Sieg.

Im Damendegen durfte sich der OSC Berlin über die Trophäe und den Wanderpokal freuen. Mit 45:36 Treffern setzte sich das Team gegen die Bielefelder TG durch. Die Bielefelder hatten in diesem Jahr zu Beginn die meisten Teams gemeldet – und durften am Ende ebenfalls einen Wanderpokal mitnehmen. Im Damensäbel wurde aufgrund der nur fünf angereisten Finalteams eine Runde gefochten. Die Bielefelder Damen blieben dabei ohne Niederlage und setzten sich mit 180:128 Treffern durch.

Im Herrensäbel hatte der MTV Gießen gegen das Team der TFG Köln-Nippes keine Chance. Neben Max Hartung stand dort auch Hartmut Wrase auf der Planche, der in Cognac bei den Veteranen Europameister geworden war.

Für die Fechterinnen, Volunteers und Kampfrichterinnen war es ein wirklich heißes Wochenende – und trotzdem herrschte überall gute Stimmung. Vor allem der gemeinsame Wille, vollständig im Zeitplan zu bleiben, prägte den Tag. Nach sechs Stunden standen die Finalist*innen fest, anschließend traf man sich noch zu einem kleinen vorbereiteten Empfang im Foyer.

Insgesamt endet der diesjährige Deutschlandpokal mit beeindruckenden Zahlen: 462 Begegnungen und 225 teilnehmende Teams zeigen, welche Bedeutung das Format im deutschen Fechtsport hat. Philipp Gorray, Vizepräsident Breiten- und Veteranensport im Deutschen Fechter-Bund, zog entsprechend ein positives Fazit: „Der Deutschlandpokal zeigt einmal mehr, dass wir neben den Leistungssportturnieren auch Formate brauchen, die die Fechter*innen dort abholen, wo sie stehen: im Verein, im Team, in der Freude am gemeinsamen Wettkampf. Hier treffen wir uns aus sportlicher Leidenschaft, aus Freundschaft und mit dem Wunsch, Fechten als Gemeinschaft zu erleben. Genau das macht dieses Turnier so wertvoll.“

Der SV Grün-Weiß Delmenhorst zeigte sich auch mit der eigenen Mannschaft als großzügiger Gastgeber. Das Team hatte als Ausrichter die Wildcard für das Damenflorett gezogen, um direkt im Finale antreten zu können. Mit Julia von Poblotzki, stellvertretender Abteilungsleiterin, und Lara Dreyer, Vorsitzender des SV Grün-Weiß Delmenhorst, stand dabei auch das starke Frauen-Duo an der Spitze des Vereins selbst auf der Planche. Gemeinsam mit Iryna Myanovska ließen sie in ihren Gefechten den Gästen den Vortritt. Julia und Lara freuten sich besonders, dass die kleine Fechtabteilung durch dieses Event so viel Aufmerksamkeit bekommen hat – und schwangen sich anschließend direkt weiter nach Lübeck, um die eigenen Kids bei der parallel laufenden U17/U13-DM am Sonntag anzufeuern.

Am kommenden Wochenende finden die Deutschen Mannschaftsmeisterschaften in Koblenz statt.